Nach fünf Stunden wird es Nacht und noch immer ist kein Schaffner aufgetaucht, um das Ticket zu kontrollieren. Mein Glück, denn ich habe nämlich das falsche. Plötzlich fühle ich mich richtig wohl. Mittlerweile weiß jeder im Waggon, dass eine junge weiße Frau hier ist. Wenn ich auf die Toilette gehe, halten mit die Männer auf meiner Liege den Platz frei. Die Familie gegenüber bietet mir Kekse und Nüsse an. Der Mann auf der dritten Etage borgt sich mein Buch aus. Er ist offensichtlich gebildet und kann Englisch lesen.
Im Zug probiere ich verschiedene indische Snacks aus, die vorgebracht werden. Auch den Chai Tee lasse ich mir nicht entgehen. Die Entsorgung des Mülls funktioniert folgendermaßen: Fenster auf und raus damit! Der restliche Abfall landet auf dem Boden des Waggons.
Nach sechs Stunden überqueren wir den heiligen Fluss Ganges. Beim nächsten Halt leert sich der Waggon, die Passagiere lassen sich auf dem Bahnsteig Reis mit Sauce servieren und essen anschließend alles im Zug. Gleich danach gehen die Lichter aus und es ist Schlafenszeit. Wo vorher 3-4 Leute auf einer Liege saßen, liegen sie nun nebeneinander. Der Sitznachbar erklärt mir, dass dieser Zug noch weitere 20 Stunden bis zur Grenze fahren wird. Für mich ist es aber genug. Ich nicke kurz ein, bevor ich etwas erschöpft in Lucknow aussteige.
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